Schnuller abgewöhnen: 5 bewährte Methoden für einen sanften Abschied

Schnuller abgewöhnen: 5 bewährte Methoden für einen sanften Abschied

Schnuller abgewöhnen ohne Tränen: Die Schnullerfee-Methode und 4 weitere bewährte Strategien. Mit Zeitplan, Checkliste und Expertentipps vom Kinderarzt.

Lisa Weber
VonLisa Weber
Aktualisiert: 14. Januar 2026
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Ein Kleinkind hält einen Schnuller

Schnuller abgewöhnen: 5 bewährte Methoden

Sanfter Abschied vom Nuckel – ohne Tränen, mit Erfolg

📋 Das erwartet Sie in diesem Ratgeber:

✓ Der optimale Zeitpunkt (2-3 Jahre)
✓ 5 bewährte Entwöhnungsmethoden
✓ Die Schnullerfee-Methode Schritt für Schritt
✓ Was tun bei Rückfällen?
✓ Checkliste für die Entwöhnung
✓ Häufige Fehler vermeiden

Der Schnuller sollte möglichst bereits abgewöhnt werden, wenn das Kind zu sprechen anfängt, denn dann stört der Schnuller die Entwicklung.

Warum Schnuller abgewöhnen wichtig ist

Ihr Kind hängt am Schnuller und Sie fragen sich: Wann und wie sollten wir ihn abgewöhnen? Diese Frage beschäftigt Millionen von Eltern – und die Antwort ist einfacher als Sie denken.

Im ersten Lebensjahr ist der Schnuller ein wertvoller Helfer: Er beruhigt, fördert das Saugbedürfnis und kann sogar das SIDS-Risiko senken. Doch ab dem zweiten Lebensjahr überwiegen die Risiken.

Die 3 größten Risiken bei zu langem Schnullergebrauch:

  • Zahnfehlstellungen: Offener Biss, vorstehende Schneidezähne
  • Sprachverzögerungen: Lispeln, undeutliche Aussprache
  • Kieferfehlstellungen: Können kieferorthopädische Behandlung erfordern
AlterEmpfehlungRisiko bei weiterem Gebrauch
0-12 MonateSchnuller erlaubtKein erhöhtes Risiko
12-24 MonateLangsam reduzierenLeichtes Risiko für Zahnstellung
24-36 MonateAktiv entwöhnenMittleres Risiko für Zahn-/Kieferprobleme
Ab 36 MonateSchnuller abschaffenHohes Risiko für bleibende Schäden

Der optimale Zeitpunkt: Wann Schnuller abgewöhnen?

Kinderärzte empfehlen: Zwischen dem 2. und 3. Geburtstag ist der ideale Zeitpunkt. In dieser Phase kann Ihr Kind bereits einfache Erklärungen verstehen und aktiv an Veränderungen mitwirken.

✓ Gute Zeitpunkte für die Entwöhnung:

  • Kind zeigt selbst weniger Interesse am Schnuller
  • Ruhige Phase ohne große Veränderungen
  • Kind ist gesund und ausgeglichen
  • Genug Zeit für Begleitung vorhanden

✗ Ungünstige Zeitpunkte:

  • Geburt eines Geschwisterkindes
  • Umzug oder Kitawechsel
  • Krankheit des Kindes
  • Trennung der Eltern
  • Urlaub oder Reisen

Expertentipp

Beginnen Sie nicht während einer Stressphase. Warten Sie lieber 2-3 Wochen, bis sich die Situation beruhigt hat.

Die 5 bewährtesten Methoden zum Schnuller abgewöhnen

Nicht jede Methode passt zu jedem Kind. Wählen Sie die Strategie, die am besten zu Ihrem Kind und Ihrer Familie passt.

1. Die Schnullerfee-Methode ⭐ Beliebteste Methode

Die Schnullerfee sammelt Schnuller von "großen Kindern" und bringt sie zu Babys, die sie brauchen. Im Gegenzug hinterlässt sie ein kleines Geschenk.

So funktioniert's:
  1. 2 Wochen vorher: Schnullerfee in Geschichten einführen
  2. Schnuller gemeinsam in eine schöne Schachtel legen
  3. Abends auf die Fensterbank stellen
  4. Morgens: Geschenk von der Schnullerfee finden

✓ Ideal für: Kinder ab 2,5 Jahren mit Fantasiebegabung

2. Der Schnuller-Baum

Der Schnuller wird an einen besonderen Baum (im Garten oder Park) gehängt. Dort "wachsen" über Nacht neue Schnuller für Babys.

✓ Ideal für: Naturverbundene Kinder, Familien mit Garten

3. Die Tausch-Methode

Kind tauscht den Schnuller gegen ein begehrtes "Große-Kinder-Spielzeug" ein. Der Deal wird vorher besprochen und gemeinsam zum Spielzeugladen gegangen.

✓ Ideal für: Pragmatische Kinder, die gerne verhandeln

4. Die Post-Methode

Schnuller werden an "Babys im Krankenhaus" verschickt. Kind darf Brief selbst gestalten und in den Briefkasten werfen.

✓ Ideal für: Empathische Kinder, die anderen helfen möchten

5. Die Schrittweise Reduzierung

Schnuller wird langsam auf bestimmte Zeiten beschränkt (nur nachts → nur beim Einschlafen → gar nicht).

✓ Ideal für: Sensible Kinder, die Zeit brauchen

Schritt-für-Schritt: Der bewährte 3-Wochen-Plan

Woche 1: Vorbereitung
Tag 1-7
  • Schnuller nur noch zu festen Zeiten anbieten
  • Alternative Tröster einführen (Kuscheltier, Schmusetuch)
  • Über den Abschied sprechen, Methode wählen
  • Bilderbücher zum Thema vorlesen
Woche 2: Reduzierung
Tag 8-14
  • Schnuller nur noch zum Schlafen
  • "Schnuller-Parkplatz" einführen (fester Ort)
  • Kind loben für schnullerfreie Zeiten
  • Datum für Abschied festlegen
Woche 3: Abschied
Tag 15-21
  • Gewählte Methode durchführen
  • Erste Nächte: Extra Trost und Nähe bieten
  • Erfolg feiern und Mut zusprechen
  • Bei Rückfällen: Geduld bewahren
T

Tim, 2,5 Jahre

Herausforderung: Schnuller war ständiger Begleiter, auch tagsüber

Lösung:
Schnullerfee-Methode mit 2 Wochen Vorbereitung

"Tim war ein echter Schnuller-Fan", erzählt Mutter Sarah. "Wir haben zwei Wochen lang abends von der Schnullerfee erzählt. Er war so begeistert von der Idee, seinen Schnuller den Babys zu schenken, dass er selbst den Zeitpunkt gewählt hat. Die erste Nacht war schwierig, aber mit seinem neuen 'Großen-Kinder-Teddy' hat er es geschafft. Nach drei Tagen fragte er gar nicht mehr nach dem Schnuller."

Wenn es schwierig wird: Umgang mit Protest

Nicht immer läuft die Entwöhnung glatt. Etwa 30% der Kinder protestieren zunächst heftig. Das ist normal und kein Grund aufzugeben.

E

Emma, 2,5 Jahre

Herausforderung: Heftiger Protest und Schreiattacken

Lösung:
Schrittweise Reduzierung mit Schnuller-Parkplatz

"Emma reagierte mit lautem Protest", berichtet Mutter Julia. "Wir haben dann die Strategie geändert: Ein Körbchen auf dem Regal wurde zum 'Schnuller-Parkplatz'. Emma durfte selbst entscheiden, wann sie ihn dort parkt. Diese Kontrolle half ihr enorm. Nach drei Wochen brauchte sie den Schnuller gar nicht mehr."

Bei Protest

  • Ruhig und verständnisvoll bleiben
  • Nicht schimpfen oder bestrafen
  • Alternative Trostmöglichkeiten anbieten
  • Gegebenenfalls Tempo verlangsamen

Bei Rückfällen

  • Rückfall ist kein Scheitern
  • Kurze Pause einlegen (wenige Tage)
  • Dann sanft wieder starten
  • Bei Krankheit: Entwöhnung pausieren

Die 5 größten Fehler beim Schnuller abgewöhnen

❌ Das sollten Sie NICHT tun:

  1. Schnuller heimlich wegwerfen – Vertrauensbruch!
  2. "Kalter Entzug" ohne Vorbereitung
  3. Kind beschämen ("Du bist doch kein Baby mehr!")
  4. Inkonsequent sein – heute streng, morgen nachgeben
  5. In Stressphasen starten (Umzug, Krankheit)

✓ Das hilft wirklich:

  1. Ehrlich sein – Kind einbeziehen
  2. Sanfter Übergang mit Vorbereitung
  3. Positiv motivieren und Erfolge feiern
  4. Konsequent bleiben nach dem Abschied
  5. Ruhige Phase wählen

Der häufigste Fehler:

Familie Müller versteckte eines Tages einfach alle Schnuller. Das Ergebnis: Stundenlange Schreiattacken und schlaflose Nächte. "Im Nachhinein war das viel zu abrupt", sagt die Mutter. Ein sanfter Übergang ist immer besser!

Besondere Situationen meistern

Geschwisterchen kommt

Marie wollte plötzlich wieder "Baby sein", als ihr Bruder geboren wurde. Die Lösung: Sie durfte das Baby beim Füttern "unterstützen" und bekam eine "Große-Schwester-Medaille". Diese wichtige Rolle half ihr enorm.

Umzug oder Kitawechsel

Paul brauchte nach dem Umzug vorübergehend wieder seinen Schnuller. Seine Eltern erlaubten dies für 2 Wochen, führten aber parallel neue Einschlafrituale ein. Nach dem Ankommen konnte er sich endgültig verabschieden.

Kind ist krank

Bei Krankheit die Entwöhnung pausieren – das ist völlig okay! Starten Sie 1-2 Wochen nach der Genesung neu. Das Kind braucht in dieser Zeit extra Trost.

Ihre Checkliste für die Schnuller-Entwöhnung

Vor dem Start

  • Ruhige Phase ohne große Veränderungen gewählt
  • Kind ist gesund und ausgeglichen
  • Alternative Tröster vorbereitet (Kuscheltier, Schmusetuch)
  • Methode ausgewählt und besprochen
  • Alle Bezugspersonen informiert (Großeltern, Kita)

Während der Entwöhnung

  • Schnuller nur noch zu festen Zeiten anbieten
  • Fester 'Schnuller-Parkplatz' eingerichtet
  • Erfolge loben und feiern
  • Geduldig bei Rückschlägen bleiben
  • Extra Kuschelzeit einplanen

Nach dem Abschied

  • Alle Schnuller aus dem Haus entfernen
  • Konsequent bei 'Ich will meinen Schnuller zurück' bleiben
  • Neue Einschlafrituale etablieren
  • Erfolg gemeinsam feiern

Häufige Fragen

Kinderärzte empfehlen die Entwöhnung zwischen dem 2. und 3. Geburtstag. Spätestens mit 3 Jahren sollte der Schnuller weg sein, um Zahnfehlstellungen und Sprachprobleme zu vermeiden. Der ideale Zeitpunkt ist eine ruhige Phase ohne große Veränderungen.

Mit guter Vorbereitung dauert die Entwöhnung typischerweise 2-4 Wochen. Die Vorbereitungsphase (Schnuller reduzieren, Methode wählen) dauert 1-2 Wochen, der eigentliche Abschied dann nur noch wenige Tage.

Bei starker Schnuller-Bindung hilft die schrittweise Reduzierung am besten: Erst nur noch zum Schlafen, dann nur noch zum Einschlafen, dann gar nicht mehr. Geben Sie Ihrem Kind mehr Zeit und führen Sie alternative Trostmöglichkeiten ein (Kuscheltier, Schmusetuch).

Ja! Die Schnullerfee-Methode ist eine der erfolgreichsten Strategien, besonders für Kinder ab 2,5 Jahren. Der Schlüssel ist die 2-wöchige Vorbereitung: Erzählen Sie abends Geschichten von der Fee, damit Ihr Kind sich mental auf den Abschied einstellen kann.

Bleiben Sie konsequent und liebevoll. Erklären Sie: "Der Schnuller ist jetzt bei den Babys, aber du hast ja deinen Teddy." Bieten Sie Trost und Extra-Kuschelzeit an, aber geben Sie den Schnuller nicht zurück. Nach 3-5 Tagen lässt das Verlangen meist deutlich nach.

Ja, in den ersten Nächten kann der Schlaf unruhiger sein. Planen Sie deshalb ein Wochenende für den Abschied ein und führen Sie vorher alternative Einschlafrituale ein (Vorlesen, Singen, Kuscheln). Nach etwa einer Woche normalisiert sich der Schlaf meist wieder.

Zusammenfassung

Tipp

Die wichtigsten Punkte:

  • Zeitpunkt: Zwischen 2. und 3. Geburtstag, in einer ruhigen Phase
  • Methode: Schnullerfee, Schnuller-Baum, Tausch, Post oder schrittweise Reduzierung
  • Vorbereitung: 2 Wochen mental vorbereiten, Alternative Tröster einführen
  • Durchhalten: Nach dem Abschied konsequent bleiben, Rückfälle sind normal

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Lisa Weber

Geschrieben von

Lisa Weber

Erzieherin & dreifache Mama

Lisa ist staatlich anerkannte Erzieherin und Mutter von drei Kindern (7, 4 und 2 Jahre). Sie teilt ihr Wissen aus über 10 Jahren Arbeit mit Kleinkindern und Familien.

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