
1. Wachstumsschub Baby (ca. 5 Wochen): Das erste Lächeln
Der erste Wachstumsschub um Woche 5: Warum Ihr Baby plötzlich unruhiger ist, mehr trinken will und das erste echte Lächeln zeigt. Mit wissenschaftlichen Fakten und Tipps.

- Wachstumsschub: Die Welt wird klarer
Um die 5. Woche – Ihr Baby entdeckt das Sehen und schenkt Ihnen das erste echte Lächeln
Auf einen Blick: Der 1. Wachstumsschub
Das erste soziale Lächeln erscheint zwischen der 6. und 8. Lebenswoche und ist ein wichtiger Meilenstein der sozial-emotionalen Entwicklung. Es zeigt, dass das Baby beginnt, seine Umwelt bewusst wahrzunehmen und zu interagieren.
Was passiert beim 1. Wachstumsschub?
Ihr Baby ist plötzlich unruhiger, will ständig trinken und weint mehr? Keine Sorge – wahrscheinlich steckt es mitten im ersten großen Entwicklungsschub. Dieser findet typischerweise um die 5. Lebenswoche statt und dauert etwa 2-7 Tage.
In dieser Phase passiert Erstaunliches im Gehirn Ihres Babys: Die Nervenzellen bilden Millionen neuer Verbindungen, besonders in den Bereichen für Sehen und soziale Interaktion. Das Ergebnis? Ihr Baby kann die Welt plötzlich viel klarer wahrnehmen.
Wichtig: Errechneter vs. tatsächlicher Geburtstermin
Entwicklungsschübe orientieren sich am errechneten Geburtstermin, nicht am tatsächlichen Geburtstag. Bei Frühgeborenen verschiebt sich der Zeitpunkt entsprechend. Ein 4 Wochen zu früh geborenes Baby erlebt den ersten Schub also etwa in der 9. Lebenswoche.
Die wissenschaftliche Erklärung
Forscher der Entwicklungspsychologie haben nachgewiesen, dass um die 6. Lebenswoche wichtige neurologische Veränderungen stattfinden. Zwei Hirnregionen spielen dabei die Hauptrolle:
Basalganglien (subkortikale Region)
Diese Hirnregion verarbeitet emotionale Reize und ist an der Steuerung von Gesichtsausdrücken beteiligt. Sie reift in dieser Phase deutlich.
Frontaler Kortex
Dieser Bereich steuert bewusste Bewegungen und entwickelt sich, sodass Ihr Baby erstmals absichtlich lächeln kann – nicht mehr nur reflexartig.
| Entwicklungsbereich | Vor dem Schub | Nach dem Schub |
|---|---|---|
| Sehen | Verschwommen, max. 20-30 cm | Kann Objekte fixieren und verfolgen |
| Lächeln | Nur Reflexlächeln (z.B. im Schlaf) | Erstes soziales Lächeln als Reaktion |
| Aufmerksamkeit | Sehr kurze Wachphasen | Längere, interessiertere Wachphasen |
| Interaktion | Reagiert hauptsächlich auf Stimme | Sucht aktiv Blickkontakt |
Was die Forschung sagt:
Eine Studie im Fachjournal Infant Behavior and Development zeigte, dass das soziale Lächeln bei allen Babys – unabhängig vom Kulturkreis – etwa im gleichen Alter erscheint: zwischen 44 und 46 Wochen nach der Empfängnis. Das deutet auf einen biologisch festgelegten Reifungsprozess hin.
Quelle: Wörmann et al., 2012, Infant Behavior and Development
Anzeichen für den 1. Wachstumsschub
Nicht jedes Baby zeigt alle Symptome, aber diese Anzeichen sind typisch:
Mehr Hunger
- • Möchte häufiger trinken
- • Clusterfeeding (alle 30-60 Min.)
- • Scheint "nie satt" zu sein
- • Trinkt auch nachts öfter
Mehr Unruhe
- • Weint mehr als sonst
- • Schwer zu beruhigen
- • "Schreistunde" abends
- • Will ständig getragen werden
Veränderter Schlaf
- • Schläft mehr ODER weniger
- • Wacht nachts häufiger auf
- • Schläft nur auf dem Arm
- • Tagsüber kürzere Nickerchen
Familie Hofmann, Baby Mia, 5 Wochen
Herausforderung: Plötzliches Schreien und ständiges Trinken
"Mia war die ersten 4 Wochen ein total entspanntes Baby. Dann, praktisch über Nacht, wollte sie alle 45 Minuten an die Brust und schrie jeden Abend 2 Stunden", erzählt Mutter Anna. "Ich dachte, meine Milch reicht nicht mehr. Unsere Hebamme beruhigte uns: Das ist der erste Wachstumsschub. Nach 5 Tagen war alles vorbei – und Mia schenkte uns ihr erstes richtiges Lächeln!"
Die 'Schreistunde': Ein Phänomen dieses Schubs
Viele Babys entwickeln genau in dieser Phase die berüchtigte "Schreistunde" (auch "Witching Hour" genannt) – eine Phase am späten Nachmittag oder Abend, in der sie untröstlich weinen.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Typische Zeit | 17:00 - 23:00 Uhr |
| Beginn | ca. 2-3 Wochen alt |
| Höhepunkt | 6-8 Wochen alt |
| Ende | meist mit 3-4 Monaten |
| Ursache | Reizüberflutung + Müdigkeit + Entwicklung |
Wichtig zu wissen
Die Schreistunde ist KEIN Zeichen, dass Sie etwas falsch machen! Sie ist eine normale Reaktion auf die vielen neuen Eindrücke, die Ihr Baby verarbeitet. Babys in diesem Alter können nur 45-60 Minuten am Stück wach bleiben, bevor sie übermüdet sind.
Der große Meilenstein: Das erste soziale Lächeln
Das Schönste am Ende dieses Wachstumsschubs? Ihr Baby schenkt Ihnen sein erstes echtes Lächeln!
Aber was unterscheidet das soziale Lächeln vom Reflexlächeln der ersten Wochen?
Reflexlächeln (0-5 Wochen)
- ✗ Zufällig, oft im Schlaf
- ✗ Keine Reaktion auf Ihr Gesicht
- ✗ Kurz und flüchtig
- ✗ Augen bleiben unverändert
Soziales Lächeln (ab 5-6 Wochen)
- ✓ Als Reaktion auf Ihr Gesicht/Stimme
- ✓ Baby sucht Blickkontakt
- ✓ Länger anhaltend
- ✓ Duchenne-Lächeln: Augen "lächeln mit"
Warum ist das soziale Lächeln so bedeutsam?
Das soziale Lächeln ist mehr als nur niedlich – es ist ein Meilenstein der Gehirnentwicklung. Es zeigt:
- Das Sehvermögen hat sich verbessert (Fokussieren auf Gesichter)
- Die emotionale Verarbeitung funktioniert
- Ihr Baby kann bewusst kommunizieren
- Die Bindung zwischen Ihnen wird aktiv gefestigt
Studien zeigen: Babys, die früh sozial lächeln, entwickeln später oft bessere soziale Kompetenzen. (Quelle: NCBI/PMC, Anticipatory smiling study)
So unterstützen Sie Ihr Baby
Bei Unruhe und Weinen
- Viel Körperkontakt (Tragen, Pucken)
- Sanftes Wiegen oder Schaukeln
- Weißes Rauschen (Föhn, Staubsauger)
- Dunkler, reizarmer Raum
- Spaziergang im Kinderwagen/Tragetuch
Beim Clusterfeeding
- Nach Bedarf stillen/füttern
- Bequeme Stillposition finden
- Wasser und Snacks bereitstellen
- Keine Sorge: Die Milch reicht!
- Partner kann Baby zwischendurch übernehmen
Wachphasen beachten
Mit 5-6 Wochen kann Ihr Baby nur 45-60 Minuten wach bleiben. Achten Sie auf frühe Müdigkeitszeichen (Gähnen, Wegschauen) und legen Sie das Baby rechtzeitig hin.
Das Lächeln fördern
Gehen Sie nah an das Gesicht Ihres Babys (20-30 cm), halten Sie Blickkontakt und sprechen Sie in hoher, melodischer Stimme. Warten Sie geduldig auf eine Reaktion.
Abendliche Schreistunde überstehen
Planen Sie diese Zeit ein: Keine Termine, wenig Besuch. Wechseln Sie sich mit Ihrem Partner ab. Es geht vorbei!
Auf sich selbst achten
Dieser Schub ist auch für Eltern anstrengend. Holen Sie sich Unterstützung und erinnern Sie sich: Es dauert nur wenige Tage.
Tipp für Stillende Mütter
Das Clusterfeeding während des Wachstumsschubs ist kein Zeichen für zu wenig Milch! Im Gegenteil: Das häufige Anlegen signalisiert Ihrem Körper, mehr Milch zu produzieren. Nach 2-3 Tagen hat sich die Milchmenge angepasst.
Wann zum Arzt?
Ein Wachstumsschub ist normal und kein Grund zur Sorge. Aber kontaktieren Sie Ihren Kinderarzt oder Ihre Hebamme, wenn:
Warnsignale ernst nehmen
- Baby nimmt nicht zu oder verliert Gewicht
- Weniger als 5-6 nasse Windeln pro Tag
- Fieber (über 38°C bei Neugeborenen)
- Baby lässt sich überhaupt nicht beruhigen (stundenlang)
- Sie haben Stillprobleme oder Schmerzen
- Sie fühlen sich überfordert oder erschöpft
Unterstützung holen ist keine Schwäche!
Wenn Sie sich unsicher sind oder einfach Unterstützung brauchen, zögern Sie nicht, Ihre Hebamme zu kontaktieren. In Deutschland haben Sie Anspruch auf Hebammen-Nachsorge bis 12 Wochen nach der Geburt.
Häufige Fragen
Der erste Wachstumsschub dauert typischerweise 2-7 Tage. Bei manchen Babys ist er kaum merkbar, bei anderen sehr intensiv. Danach normalisiert sich das Verhalten meist schnell wieder.
Keine Sorge! Das Clusterfeeding ist völlig normal und kein Zeichen für zu wenig Milch. Ihr Baby signalisiert Ihrem Körper, mehr Milch zu produzieren. Achten Sie auf Gewichtszunahme und nasse Windeln – das sind die zuverlässigsten Indikatoren.
Die abendliche "Schreistunde" hat ihren Höhepunkt um die 6. Woche. Sie entsteht durch eine Kombination aus Reizüberflutung, Müdigkeit und der Verarbeitung aller neuen Eindrücke. Es ist KEINE Kolik und geht meist mit 3-4 Monaten vorbei.
Das erste soziale Lächeln erscheint bei den meisten Babys zwischen der 6. und 8. Woche. Im Gegensatz zum Reflexlächeln der ersten Wochen reagiert Ihr Baby damit bewusst auf Ihr Gesicht und Ihre Stimme.
Ja, völlig normal! Entwicklungsschübe orientieren sich am errechneten Geburtstermin, nicht am tatsächlichen. Wenn Ihr Baby z.B. 4 Wochen zu früh kam, erwarten Sie den ersten Schub etwa in der 9. Lebenswoche.
Leider nein – der Schub ist biologisch programmiert und wichtig für die Entwicklung. Was Sie tun können: Seien Sie für Ihr Baby da, stillen/füttern Sie nach Bedarf, und erinnern Sie sich, dass es nur wenige Tage dauert.
Zusammenfassung
Der 1. Wachstumsschub auf einen Blick:
- Wann: ca. 5. Woche (nach errechnetem Geburtstermin)
- Dauer: 2-7 Tage
- Anzeichen: Mehr Hunger, Unruhe, veränderter Schlaf, Anhänglichkeit
- Was passiert: Gehirn entwickelt sich, Sehen verbessert sich
- Der Lohn: Das erste echte soziale Lächeln!
- Ihr Part: Viel Nähe, Geduld, nach Bedarf füttern
Weiterlesen: Die nächsten Wachstumsschübe
Nach dem ersten Schub kommen weitere Entwicklungsphasen. Die nächste intensive Phase steht etwa um die 8. Woche an – dann entdeckt Ihr Baby Muster und Strukturen in seiner Umwelt.
Hinweis: Die Zeitangaben orientieren sich am errechneten Geburtstermin. Jedes Baby entwickelt sich in seinem eigenen Tempo.
Alter Ihres Babys berechnen
Berechnen Sie das genaue Alter Ihres Babys und finden Sie heraus, in welcher Entwicklungsphase es sich gerade befindet.
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Geschrieben von
Lisa WeberErzieherin & dreifache Mama
Lisa ist staatlich anerkannte Erzieherin und Mutter von drei Kindern (7, 4 und 2 Jahre). Sie teilt ihr Wissen aus über 10 Jahren Arbeit mit Kleinkindern und Familien.
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