
Schlafbedarf Baby: Wie viel Schlaf braucht mein Kind?
Schlafbedarf nach Alter (0-18 Monate), Schlafphasen verstehen und Tag-Nacht-Rhythmus entwickeln. Mit Schlaftabelle, Müdigkeitszeichen und Expertentipps.

Schlafbedarf Baby: Der komplette Guide
Wie viel Schlaf braucht mein Kind wirklich? Mit Schlaftabelle nach Alter.
In diesem Ratgeber erfahren Sie:
Der Schlafbedarf von Babys ist individuell sehr unterschiedlich. Wichtiger als starre Stundenzahlen ist, dass das Baby ausgeschlafen wirkt und sich gut entwickelt.
Schlafbedarf nach Alter: Die große Übersichtstabelle
Die häufigste Frage junger Eltern: "Wie viel Schlaf braucht mein Baby?" Die Antwort hängt stark vom Alter ab. Hier finden Sie alle Richtwerte auf einen Blick.
| Alter | Gesamtschlaf/24h | Tagschlaf | Nachtschlaf | Nickerchen |
|---|---|---|---|---|
| 0-1 Monat | 15-18 Stunden | 8-9 Std. | 8-9 Std. | 4-6x |
| 1-2 Monate | 14-17 Stunden | 6-7 Std. | 8-10 Std. | 4-5x |
| 3-4 Monate | 14-16 Stunden | 4-5 Std. | 10-11 Std. | 3-4x |
| 5-6 Monate | 13-15 Stunden | 3-4 Std. | 10-11 Std. | 2-3x |
| 7-9 Monate | 12-14 Stunden | 2-3 Std. | 10-12 Std. | 2x |
| 10-12 Monate | 12-14 Stunden | 2-3 Std. | 10-12 Std. | 1-2x |
| 12-18 Monate | 11-14 Stunden | 1,5-3 Std. | 10-12 Std. | 1-2x |
Wichtig zu wissen
Diese Werte sind Durchschnittswerte. Manche Babys brauchen mehr, manche weniger Schlaf. Solange Ihr Baby zufrieden und gut entwickelt ist, liegt es wahrscheinlich richtig.
Wachphasen: So lange kann Ihr Baby wach bleiben
Die Wachphasen (Zeit zwischen zwei Schläfchen) sind entscheidend für guten Schlaf. Ist Ihr Baby zu lange wach, wird es übermüdet und schläft schlechter ein.
| Alter | Maximale Wachphase | Zeichen für Müdigkeit |
|---|---|---|
| 0-6 Wochen | 45-60 Minuten | Wegschauen, Gähnen |
| 6-12 Wochen | 60-90 Minuten | Quengeln, Augen reiben |
| 3-4 Monate | 1,5-2 Stunden | Unruhe, ruckartige Bewegungen |
| 5-6 Monate | 2-2,5 Stunden | Ohren ziehen, Anklammern |
| 7-9 Monate | 2,5-3,5 Stunden | Weinen, Überaktivität |
| 10-12 Monate | 3-4 Stunden | Stolpern, Koordinationsprobleme |
| 12-18 Monate | 4-6 Stunden | Wutanfälle, extreme Anhänglichkeit |
Das Übermüdungs-Paradox
Ein übermüdetes Baby schläft nicht besser, sondern schlechter! Cortisol (Stresshormon) wird ausgeschüttet und verhindert entspanntes Einschlafen. Achten Sie auf die Wachphasen.
Müdigkeitszeichen erkennen
Babys zeigen durch ihr Verhalten, wann sie müde werden. Der Trick: Die frühen Zeichen erkennen, bevor das Baby übermüdet ist.
Frühe Müdigkeitszeichen (jetzt hinlegen!)
- Blick abwenden, weniger Blickkontakt
- Gähnen
- Ruhiger werden, weniger aktiv
- Augen reiben
- An Ohr oder Haaren ziehen
- Geballte Fäuste
Späte Zeichen (bereits übermüdet!)
- Weinen, Quengeln
- Überaktivität, Zappeln
- Ruckartige Bewegungen
- Anklammern
- Rücken durchdrücken
- Schwer zu beruhigen
Lena, 4 Monate
Herausforderung: Baby weinte jeden Abend vor dem Einschlafen
"Lena schrie jeden Abend eine Stunde bevor sie endlich einschlief", erzählt Mutter Katrin. "Unsere Hebamme erkannte das Problem: Wir legten sie erst hin, wenn sie schon weinte – also übermüdet war. Seit wir auf die frühen Zeichen achten (Gähnen, Wegschauen) und sie 30 Minuten früher hinlegen, schläft sie innerhalb von 10 Minuten friedlich ein."
Die Schlafphasen Ihres Babys verstehen
Babyschlaf funktioniert anders als Erwachsenenschlaf. Das Verständnis der Schlafphasen hilft Ihnen, das Verhalten Ihres Babys besser zu deuten.
REM-Schlaf (Aktiver Schlaf)
- Augen bewegen sich unter den Lidern
- Unregelmäßige Atmung
- Kleine Bewegungen, Zucken
- Lächeln, Grimassen
- Baby wirkt "unruhig"
- Wichtig für: Gehirnentwicklung, Lernen
Non-REM-Schlaf (Ruhiger Schlaf)
- Entspannte Gesichtszüge
- Regelmäßige, tiefe Atmung
- Kaum Bewegung
- Schwer zu wecken
- Wichtig für: Körperliche Erholung, Wachstum
| Alter | Schlafzyklus-Länge | REM-Anteil | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Neugeboren | 45-50 Minuten | 50% | Beginnt mit REM-Schlaf |
| 3-6 Monate | 50-60 Minuten | 40% | Schlafzyklen werden regelmäßiger |
| 6-12 Monate | 60-90 Minuten | 30% | Nähert sich Erwachsenen-Muster |
| Erwachsene | 90-120 Minuten | 20% | Zum Vergleich |
Warum wacht mein Baby nach 30-45 Minuten auf?
Das ist völlig normal! Babys haben kurze Schlafzyklen und wachen dazwischen kurz auf. Die meisten schlafen von alleine wieder ein – wenn wir sie lassen. Warten Sie 1-2 Minuten, bevor Sie eingreifen.
Tag-Nacht-Rhythmus entwickeln
Der Tag-Nacht-Rhythmus entwickelt sich erst ab etwa 6-8 Wochen. Vorher können Eltern nur wenig beeinflussen, wann ihr Baby schläft.
0-6 Wochen: Noch kein Rhythmus
Babys schlafen noch chaotisch – das ist normal. Konzentrieren Sie sich auf:
- Tagsüber: Helles Licht, normale Geräusche
- Nachts: Dunkel, leise, wenig Interaktion
6-12 Wochen: Erste Struktur
Der Tag-Nacht-Rhythmus beginnt sich zu entwickeln:
- Längere Wachphasen tagsüber
- Erste längere Schlafphasen nachts (3-4 Stunden)
- Feste Bettgehzeit einführen (z.B. 19:00 Uhr)
3-4 Monate: Deutlicher Rhythmus
Die meisten Babys haben jetzt einen erkennbaren Rhythmus:
- 2-3 Nickerchen tagsüber
- Längerer Nachtschlaf (5-6 Stunden am Stück möglich)
- Feste Abendroutine etablieren
6+ Monate: Etablierter Rhythmus
Der Schlafrhythmus ist meist stabil:
- 2 Nickerchen (vormittags + nachmittags)
- Durchschlafen wird wahrscheinlicher
- Regelmäßige Schlafenszeiten einhalten
Die perfekte Abendroutine
Eine konsistente Abendroutine signalisiert dem Baby: "Jetzt ist Schlafenszeit." Die Routine sollte 20-30 Minuten dauern und jeden Abend gleich ablaufen.
- Kein wildes Spielen mehr
- Gedämpftes Licht
- Ruhige Atmosphäre
- Warmes Wasser (37°C)
- Sanfte Babypflege
- Nicht jeden Tag nötig – Waschlappen reicht
- Frische Windel
- Bequeme Schlafkleidung
- Angemessene Temperatur beachten
- Letzte Mahlzeit des Tages
- Ruhige Atmosphäre
- Nicht im Bett füttern (Einschlafhilfe vermeiden)
- Schlaflied oder Geschichte
- Sanftes Streicheln
- Baby müde, aber wach ins Bett legen
Das hilft beim Einschlafen
- Weißes Rauschen oder Spieluhr
- Abdunkeln des Zimmers
- Kühle Raumtemperatur (16-18°C)
- Lieblingskuscheltier (ab 12 Monaten)
Das sollten Sie vermeiden
- Baby zum Einschlafen stillen/füttern
- Bildschirme vor dem Schlafen
- Zu späte Bettgehzeit
- Ständig wechselnde Routinen
Häufige Schlafprobleme und Lösungen
Problem: Baby wacht nachts ständig auf
Mögliche Ursachen: Hunger, zu warm/kalt, Wachstumsschub, Zahnen
Lösung: Schlafumgebung prüfen, Wachphasen tagsüber anpassen, bei Hunger füttern. Ab 6 Monaten können viele Babys 6+ Stunden ohne Nahrung schlafen.
Problem: Baby schläft nur auf dem Arm ein
Mögliche Ursache: Einschlaf-Assoziation – Baby hat gelernt, dass es den Arm zum Einschlafen braucht.
Lösung: Schrittweise Baby müder, aber noch wach ablegen. Erst neben dem Bett bleiben, dann langsam Abstand vergrößern.
Problem: Baby kämpft gegen den Schlaf
Mögliche Ursache: Übermüdung oder zu früh hingelegt.
Lösung: Wachphasen-Tabelle beachten. Zeigt Baby frühe Müdigkeitszeichen? Dann sofort hinlegen. Zeigt es noch keine? Dann noch etwas warten.
Problem: Baby wacht um 5 Uhr morgens auf
Mögliche Ursachen: Zu frühe Bettgehzeit, zu viel Tagschlaf, Licht im Zimmer.
Lösung: Zimmer komplett abdunkeln, Bettgehzeit um 15-30 Min. nach hinten verschieben, letztes Nickerchen früher beenden.
Die Schlaf-Regressionen
Schlaf-Regressionen sind Phasen, in denen ein Baby plötzlich schlechter schläft als zuvor. Sie sind entwicklungsbedingt und gehen vorbei!
| Alter | Regression | Dauer | Was passiert |
|---|---|---|---|
| 4 Monate | Größte Regression | 2-6 Wochen | Schlafzyklen verändern sich, häufiges Aufwachen |
| 8-10 Monate | Trennungsangst | 2-4 Wochen | Baby will nicht alleine sein, Separation Anxiety |
| 12 Monate | Entwicklungsschub | 2-3 Wochen | Laufen lernen, viel Bewegungsdrang |
| 18 Monate | Selbstständigkeit | 2-4 Wochen | Trotzphase beginnt, will nicht ins Bett |
Gut zu wissen
Schlaf-Regressionen sind völlig normal und ein Zeichen gesunder Entwicklung! Bleiben Sie bei Ihrer Routine, seien Sie geduldig – es geht vorbei.
Häufige Fragen
Ein 3 Monate altes Baby braucht etwa 14-16 Stunden Schlaf pro 24 Stunden. Das verteilt sich auf etwa 10-11 Stunden Nachtschlaf und 4-5 Stunden Tagschlaf (3-4 Nickerchen). Die Wachphasen sollten 1,5-2 Stunden nicht überschreiten.
"Durchschlafen" bedeutet medizinisch 5-6 Stunden am Stück – nicht 12 Stunden. Die meisten Babys können ab 6 Monaten 6+ Stunden ohne Nahrung schlafen. Echtes Durchschlafen (10-12 Stunden) ist oft erst mit 12-18 Monaten realistisch, und auch dann nicht bei allen Kindern.
30-45 Minuten entsprechen einem Schlafzyklus. Babys, die nach einem Zyklus aufwachen, haben noch nicht gelernt, selbstständig in den nächsten Zyklus überzugehen. Helfen kann: abdunkeln, weißes Rauschen, vor dem Aufwachen sanft berühren, oder einfach abwarten – viele Babys lernen es von selbst.
Bei Neugeborenen ist das normal. Ab 6-8 Wochen können Sie aktiv gegensteuern: Tagsüber viel Licht und Aktivität, nachts dunkel und langweilig. Nachts nur flüstern, kein Spielen, minimale Interaktion. Die Umstellung dauert etwa 1-2 Wochen.
Der Schlüssel ist "müde, aber wach" hinlegen. Beginnen Sie mit der Abendroutine und legen Sie das Baby dann ins Bett, während es noch wach ist. Bleiben Sie daneben, streicheln Sie sanft. Anfangs dauert es länger, aber das Baby lernt, selbstständig einzuschlafen.
Ja, völlig normal! Zucken im REM-Schlaf (aktiver Schlaf) ist ein Zeichen für gesunde Gehirnentwicklung. Auch Lächeln, Grimassen und kleine Bewegungen sind normal. Nur bei rhythmischem, starkem Zucken oder wenn das Baby davon aufwacht, sollten Sie den Kinderarzt fragen.
Zusammenfassung
Die wichtigsten Punkte zum Babyschlaf:
- Schlafbedarf variiert nach Alter: Neugeborene 15-18 Std., 6 Monate ca. 14 Std., 12 Monate ca. 12-14 Std.
- Wachphasen beachten: Neugeborene max. 60 Min., 6 Monate max. 2,5 Std.
- Frühe Müdigkeitszeichen erkennen (Gähnen, Wegschauen) – nicht warten bis Baby weint
- Abendroutine etablieren: Gleicher Ablauf jeden Abend signalisiert Schlafenszeit
- Schlaf-Regressionen sind normal und gehen vorbei
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Geschrieben von
Lisa WeberErzieherin & dreifache Mama
Lisa ist staatlich anerkannte Erzieherin und Mutter von drei Kindern (7, 4 und 2 Jahre). Sie teilt ihr Wissen aus über 10 Jahren Arbeit mit Kleinkindern und Familien.
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